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Eine Sache der Zeit

"Als wäre der Tod eine Sache der Zeit.“
(Max Frisch, in Tagebuch 1946-1949, Pfannen-stiel)

Sterben muss jeder ganz alleine. Diese Schwelle übertritt nicht nur jeder, sondern auch jeder nur mit sich selbst. Er (und immer auch „sie“) kann niemanden mitnehmen, mit niemandem teilen (obwohl Massenselbstmordversuche, meist sektiererischer Art, wohl dies bezwecken) und schon gar nicht jemandem mitteilen, was er da „erlebt“. Dass man sogar den Tod erlebt und nicht „erstirbt“ zeigt schon, wie wenig der Tod in unsere Lebensvorstellung passt. Krankheit und Tod stören die Normalität, durchbrechen den Lebensrhythmus und stören unser Bild der Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, an der man sich krampfhaft festhält, die Sicherheit gibt und geben muss. Die aber auch vieles, was nicht Sicherheit ausstrahlt, ins Grenzgebiet zwischen ideeller und gewollter Wirklichkeit und scheinbarer Unsichtbarkeit drängt. Angst und Verleumdung sind ja alte Weggefährten, die in der Geschichte mit traurigem Erfolg, als Mittel die jeweilige Wirklichkeit zu gestalten, ihre Spur ziehen. Wir tragen sie in uns…

(Es gibt Menschen, die auch ihren persönlichen Gott in diesen engen Rahmen einer gesellschaftlichen Wirklichkeit pressen. Sie haben verlernt, etwas von ausserhalb zu erwarten, Gott auch wirklich mehr, nicht nur „mehr“ in einem wissenschaftlichen, geschweige denn in einem wirtschaftlichen Sinne, zuzutrauen. Sie glauben damit an ihren Gott und nicht den sich offenbarenden Gott, der die Grenze der Wirklichkeit der Menschen nur zu gern und immer wieder etwas ausweitet und den Blick nach innen und nach oben öffnet. Der sich lieber selbst verleumdet und der Angst das Vertrauen gegenüberstellt. Gott, der gerade mit Jesus Christus vom Rand her, bei den Kleinen und Armen beginnend, die Menschen neu anrührte und ihnen Liebe zusprach. Ein Gott also, der seine Göttlichkeit in seiner Menschlichkeit beweist…)

Aus dem Büchlein: Manchmal, die Geschichte einer Genesung

Vom Traum den Menschen nahe zu sein…

Der liebe Gott war aufgeschreckt, hatte sich die Augen gerieben und sich über seinen Traum gewundert, an den er sich gerade noch erinnern konnte. Schnell musste er ihn noch einmal in Gedanken vor sich hin träumen, damit er nicht vergessen ging: Er war selber ein Mensch geworden und stand auf einer staubigen Strasse. Er trug ein langes, und wenn er ehrlich war, juckendes Kleid. Er stand einfach nur da. Wo sollte er auch hin? Und da beschlich ihn ein Gefühl, das ihn den ganzen Traum lang nicht verlassen würde: Er fühlte sich irgendwie klein und verloren und eingesperrt. Er musste handeln, etwas tun – er konnte doch nicht einfach stehen bleiben. Er lief einfach mal los und das Kleid scheuerte in den Achselhöhlen. Was für einen rauen Stoff haben die, dachte er. Plötzlich hatte er das Bedürfnis sich hinzusetzen und sich auszuruhen. Was für ein komischer Gedanke: müde sein. Als er so da sass, liefen die ersten Leute an ihm vorbei. Er bestaunte sie, ihren gehetzten Gang, ihre Gespräche, ihren Blick. Einige der Gespräche schienen durchaus erfreulichen Charakter zu haben, klopfte doch einer gerade seinem Gesprächspartner auf die Schultern. Andere waren vertieft in ein Gespräch, das nur aus Zahlen bestand. Andere schienen zwar miteinander in Worten zu reden, aber ihr Körper redete noch viel mehr. Sie machten Verrenkungen wie balzende Vögel oder richteten sich auf wie Grizzlybären. Und wieder andere hatten im Gespräch rote Ohren bekommen und der schmale Mund machte deutlich, sie mussten sich zusammennehmen, um nicht laut zu werden. In ihren Augen sah er, wie sie sich Sorgen machten, sah die Augenbrauen zusammengezogen, die Stirn in Falten gelegt. Bemerkte einen schüchternen Blick von unten nach oben, einen eingeschüchterten, der nicht einmal mehr etwas von oben zu erwarten schien und wenn, dann nur einen Vorwurf. Er sah herausfordernde Blicke, solche mit Härte, weil sie Gehorsam suchten und andere, erwartungsvolle, weil sie auf eine gute Antwort hofften. Er blickte in Augen, die sich unruhig hin und her bewegten und solche, die keinem Blick standhalten. Noch mehr als all das erstaunte ihn aber, dass keiner zu ihm hin blickte. Dass Menschen müde sind scheint also ganz normal zu sein und man lässt sie sitzen… Er stand wieder auf und ging weiter. Die Sonne schien heiss und die Strasse schien kein Ende zu nehmen. Er sehnte sich danach etwas zu trinken. Sich sehnen – Sehnsucht – auch das war eine ungewohnte Erfahrung. Bisher hatte sich der liebe Gott immer ganz gefühlt. Als Mensch aber fühlt man sich scheinbar nie ganz richtig wohl in seiner Haut, dachte er. Man brauchte immer etwas, das hat er ja eigentlich gewusst. Seine Menschen haben immer schon gefordert, gesucht und nicht wenige sind dabei süchtig geworden. Und tatsächlich hörte er nun auch seinen Magen knurren. Ein Apfel wäre jetzt genau richtig, denkt er. Er steuert auf einen grossen Baum mit reifen Früchten zu, aber noch bevor er einen Apfel in der Hand hat, blickt er sich um, verstohlen fast. Es beschleicht ihn das Gefühl beinahe schuldig geworden zu sein, zu nehmen, was ihm nicht gehört. „Nun, so bleibe ich hungrig“ und sein Lächeln dazu war etwas erzwungen. Zum ersten Mal war er so richtig unzufrieden – mit sich selbst und den Umständen. Irgendwie kann man es wohl hier auf diesem Planeten einfach nicht richtig machen. Doch: er musste warten, bis er eingeladen würde. Aber da konnte er lange warten. Um seine Chancen zu erhöhen begab er sich in eine belebte Gasse mit der Hoffnung, dass ihn irgendjemand dann schon beachten würde. Immerhin war er doch der liebe Gott, das musste man ihm doch ansehen – irgendwie. Doch die Menschen sahen nichts dergleichen. Jemand schob ihn sogar beiseite mit der Bemerkung „Du stehst hier im Weg herum“. So überflüssig ist er sich noch nie vorgekommen. Erst als es bereits eingedunkelt war und er alleine in der kurz vorher noch belebten Gasse sass, setzte sich ein Mann neben ihn. Er war schlecht gekleidet, roch übel. Sein Kleid scheuerte nicht mehr, der Stoff war schon so dünn, ausgelatscht und löchrig. „Na, Hunger?“ fragte er und hielt ihm ein Stück Brot hin. Es schien frisch zu sein und er fragte sich, ob es wohl gestohlenes Brot ist. Er zögerte. „Nimm nur, ich habe es auch geschenkt bekommen, so kann ich gut etwas davon weggeben“. Er nahm ein Stück, was sollte er auch tun, er musste ihm vertrauen. Und wenn es doch gestohlenes Brot war? Der Mann fing an mit den wenigen Zähnen die er noch hatte auf dem Brot herum zu kauen. Hätte das Zirpen der Grillen nicht eingesetzt, so wäre das Geschmatze kaum erträglich gewesen. Während dem Einspeicheln der Nahrung fand der Mann noch Zeit über allerlei Zeitgenossen zu schimpfen. Er fluchte über die habgierigen Zöllner, die Gelehrten mit ihrer Arroganz und über die Bauern, die die Nachernte nicht mehr teilen wollten. Dabei fragte er immer wieder „ist das gerecht? Ist das gerecht?“. „Natürlich nicht“ wollte er sagen und – „du stinkst“. Er hat aber einfach nur zugehört, und während der Mann noch über die mit schmuckbehängten Frauen, die soziale Ungerechtigkeit, die unfähigen Eltern, die ihre Kinder nicht mehr zu erziehen vermögen sprach, erwuchs in ihm ein Plan. Es wäre doch möglich diesen Menschen so nahe wie möglich zu kommen. Mit ihnen die scheuernden Kleider zu teilen, mit ihnen Sehnsucht und Schuldgefühle zu haben. Mit ihnen zu erdulden, ausgestossen zu sein, übersehen zu werden, im Weg zu stehen und Verlierer zu sein. Und als er nun seinem Brotgeber ins zermürbte Gesicht sah, kam der Gedanke wieder, der ihn vorher aus dem Traum aufschrecken liess: mit ihnen zu sterben. Im Gesicht des Mannes sprach vieles von Enttäuschungen, von Krankheiten und jede Narbe und jede Falte, jeder Blick und jedes Wort trug ein bisschen Sterblichkeit in sich. Und da wurde Gottes Herz von Liebe erfüllt. Nein, er wollte nicht einfach mit ihnen sterben. Nein, er wollte mit ihnen leben. Er würde alle die Unruhigen, die Verstossenen, die Ausgelachten, die ungerecht Behandelten, die Verlorenen, die Kranken an Leib und Seele, die Suchenden einladen mit ihm zu leben – auch wenn er dafür zu sterben hätte. Das ist das Leben wert! Das sind die Menschen wert!
Und er sah vor sich, wie Lukas, inspiriert über den Gott nahe bei den Menschen, Jesaja zitieren wird: »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.« (Lukas 4, 18+19) Und wie man von ihm erzählen wird: „Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und sprachen zu seinen Jüngern: Warum eßt und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten.“ (Lukas 5, 30-32) Und er hörte bereits die Worte, die Johannes voller Begeisterung aufschreiben wird: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ (Johannes 5, 24) Sein letzter Gedanke, bevor er nun die ersten Vorbereitungen traf, um seinen Traum in die Tat umzusetzen, war: Was für ein Fest wird das im Himmel geben, wenn alle die verlorenen Söhne und Töchter heimkehren werden. Wir werden singen und tanzen… Aber er rief sich zur Besinnung. Das Tagträumen ist vorerst vorbei, zuerst kommt nun die Hingabe, die Hingabe an seine Menschen und das wird ein leidvoller, anstrengender Weg sein. Ein Weg zum Leben aber.
Stefan Werner

Johannes 1, 1-5 + 14

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
2 Dasselbe war im Anfang bei Gott.
3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. *
4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.
14 Und das Wort ward Fleisch* und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.


Das ist die Weihnachtsgeschichte, wie sie im Johannesevangelium steht. Sie ist kurz und bündig und hat doch einen riesig weiten Horizont:
Weihnachten beginnt für Johannes nicht in Nazareth bei Maria, die vom Engel hört, dass sie ein Kind bekommt oder in Bethlehem, bei der Geburt im Stall.
Nein, die Weihnachtsgeschichte beginnt bei Johannes beim Schöpfungswort Gottes.

Im Anfang
Johannes geht in seiner Weihnachtsgeschichte an den Anfang zurück der Schöpfung zurück. So weit ist sein Horizont. „Im Anfang war das Wort.“
Wenn Johannes im Anfang sagt, dann ist damit weniger ein Zeitpunkt gemeint, als vielmehr der Beginn einer Bewegung oder eines Bewegungsablaufes – einer Zuwendung. Und wenn er vom Wort redet, dann ist damit mehr gemeint als ein paar aneinander gereihte Buchstaben, die akustisch vernehmbar sind. Mit Wort, dem griechischen Logos mein Johannes etwas Umfassendes. Zu einem Wort gehört nämlich der Gedanke, man denkt und noch vorher kommt das Fühlen. Die Gefühle regen an zu Gedanken, die sich in Worte fassen und dann - und dass gehört fest zu der Vorstellung von Johannes – etwas bewegen. Das Wort, das er hier nennt, ist kein Wort, das einfach verklingt, sondern ist ein Wort, das Dinge hervor bringt, das schöpferisch ist. Ja, Johannes redet vom schöpferischen Wort Gottes. Dieses Wort, das aus der Liebe Gottes entspringt, das darum Ordnung und Leben schafft. Das Wort ist Gottes Schöpferkraft.
Nun sagt Johannes also: Im Anfang ist dieses Wort. Und dieser Anfang ist darum für Johannes etwas umfassendes. Am Anfang dieser Welt, am Anfang des Lebens, am Anfang aller Beziehungen steht das schöpferisch Wort der Liebe Gottes.

Das Wort
Johannes hat konkrete Vorstellungen vom Wort, das im Anfang gesprochen wird. Es ist ein Wort des Lebens, das Licht bringt und Licht ist. Johannes spricht hier etwas philosophisch von der Zuwendung Gottes zu den Menschen. Die Schöpfung ist für ihn ein Zeichen, dass Gott nicht alleine bleiben will, sondern dass er von Liebe getrieben Gemeinschaft will. Eine Gemeinschaft in der das Leben zur vollen Blüte kommt. Und so „sieht“ das Wort dann auch aus. Es gibt Gebote am Sinai, es schenkt Versöhnung im Tempel, es korrigiert durch die Rede von Propheten und überzeugt in der Poesie der Weisheit. Das alles aber nur, damit Leben möglich wird, damit Leben gefördert wird. Immer versteht Johannes das Wort Gottes als schöpferisches Wort, das Leben schafft mitten in einer vom Tod bedrohten Welt – ja, ohne diesen Tod einfach so aufzuheben. Darum, wer diesem Gott begegnet in seinem Leben, der sieht sein Leben und seine Situation in einem neuen Licht. So etwa wie man eine Pflanze unter eine Aufzuchtlampe stellt. Es ist ein Licht das uns wachsen lässt. Darum werden unsere Fehler, unsere Wachstumsstörungen ja sichtbar. Darum brauchen wir ja auch Versöhnung, damit wir weiter wachsen dem Leben entgegen. Es ist ein Licht, dass das Beste in uns freisetzen will.

Begeistert von der Beziehung zu Jesus - 1. Teil

Begeistert sein, was bedeutet das? Man könnte auch ganz anders fragen:
Wie fühlt sich das an?
Wenn wir uns dem Thema Begeisterung widmen, kommen schnell Gefühle und Formen, die wir mit Begeisterung verknüpfen, zur Sprache. So hat Begeisterung in unserer Sprache vor allem die Bedeutung, dass man motiviert ist, dass man Freude empfindet und die Energie hat, dass man Berge versetzen könnte. Tatsächlich sind die Wurzeln in der
deutschen Sprache ganz ähnlich, vielleicht etwas weniger grundsätzlich positiv: erregt, aufgebracht sein, schaudern (Duden - Herkunftswörterbuch). In diesen Erregungszuständen (wir sagen heute Gefühle) hat man jedoch auch die Lebenskraft wahrgenommen.
So dass man "Begeisterung" auch als sichtbar werdende Lebenskraft verstehen kann und "begeistern" als "mit Leben füllen". Werden Menschen begeistert, dann wird in ihnen also Lebenskraft geweckt. Von der Beziehung mit Jesus begeistert sein, würde also bedeuten, dass wir von ihm erwarten, dass er uns mit Leben erfüllt, er unsere Lebenskraft weckt und ist. Wenn wir erwarten, dass Jesus uns begeistern kann, dann erwarten wir etwas Kraftvolles, das uns durchaus auch gefühlsmässig positiv erschüttern kann.
Begeisterung hat im deutschen Sprachgebrauch das Wort "Geist" als Stamm. Wir wissen, dass das Wort verschiedene Bedeutungen hat. Von der Ursprungsbedeutung her (erregt, aufgebracht sein, schaudern) hat das Wort auch die Bedeutung Gespenst (Schlossgeist) erhalten oder wir reden vom Geist und meinen damit den Alkohol im entsprechenden (schauderhaften?) Getränk. Natürlich gibt es auch die spezifisch christliche Ausdeutung dieses Wortes. Sie fliesst mit der obenstehenden zusammen. Ihm entsprechen das hebräische "ruach" und das griechische "pneuma", was wir vereinfacht mit Atem übersetzen können. Es geht also auch hier um die Lebenskraft, um das was uns durchatmet.
Gerade im Griechischen aber hat der Begriff "pneuma" in der Philosophie eine grosse Wirkungsgeschichte hinter sich. Und während der Begriff im Neuen Testament vor allem für Gottes Geist, als Wirken und Kraft in dieser Welt, verstanden wird, so ist er in der Philosophie auch mit der Erkenntnis- und Denkfähigkeit des Menschen verknüpft (vermischt mit dem Verstand "nous"). Und so kennen wir den
Begriff, der Geist als Gegenteil vom Körper, stark verknüpft mit dem Verstand, der Vernunft und dem Willen (z.B. gibt es Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften).
Heute unterscheiden wir "geistig" von "geistlich" um auszudrücken, dass wir zwar alle "geistig" arbeiten und sind (sozusagen als Chiffre für alle Hirnaktivität), dass wir aber auch nach dem "Geistlichen" fragen, nämlich nach Gottes Willen und Wirken unter uns.
Begeisterung hat also auch etwas mit einem "geistlichen" Leben zu tun. Mit dem Fragen nach Gottes Gegenwart. Wer von der Beziehung mit Jesus begeistert sein möchte, der möchte von Gottes Geist durchweht werden. Und spätestens hier hat Begeisterung nicht mehr nur mit fröhlichen Gefühlen zu tun, sondern es geht um mehr. Dieses Mehr möchte ich im Folgenden beleuchten.

Begeistert von Jesus
Markus 7, 37 Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.
Staunend sehen Menschen wie Jesus handelt, predigt, heilt und erträgt. Das Neue Testament berichtet uns davon, wie Menschen staunend in Jubel ausbrechen, wie sie anfangen Gott zu loben (Mt 15, 31). An anderer Stelle staunen die Menschen nicht schlecht über die Unverfrorenheit Jesu, Gottes Wirken und Verheissungen für sich in Anspruch zu nehmen (Mk 6,2; Mt 15, 12). Wieder andere stehen da und ihr Staunen vermischt sich mit Erschrecken - sie erkennen, da geschieht etwas Grosses, etwas Übergrosses (Lk 8, 35).
Auch heute noch steht am Anfang des Glaubens, auch der Glaubenserneuerung, immer wieder das Staunen, das einerseits dem Jubel nahe steht, andererseits dem Erschrecken. Bei den Einen ist es die Überraschung, dass Gott sie liebt wie sie sind und dass ein Gott für sie da ist, der sie glauben lässt. Andere sind erschrocken bei dem Gedanken, einmal nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor einem Gott Rechenschaft ablegen zu müssen und suchen darum die Nähe zu Jesus. Das Staunen darüber, dass der Himmelsbogen, der Tod, das eigene Vermächtnis nicht alles ist, sondern dass da ein Gott der Liebe ist, kann zum Trost und zum Antrieb in dieser Welt werden. Jesus wird so zur Lebenskraft.
Begeistert sein von Jesus heisst über das Staunen hinaus, auch von ihm lernen zu wollen. Jesus hat gepredigt (z.B. Mt 5-7) und die Menschen sind ihm gefolgt, manchmal unsinnig weit, nur um ihn zu hören (gelegentlich ging ihnen dabei das Essen aus…Mt 14,13ff). Das ist nicht verwunderlich, denn aus den Worten und Lehren Jesu ging ebenfalls eine Kraft aus, einerseits weil er in Vollmacht lehrte (Mt 27,9), andererseits weil seine Worte zu einem neuen ermutigenden Lebensstil einladen (Röm 12,2). Die Worte Jesu sind daher ein wichtiges Fundament der Begeisterung - wer den Geist Jesu kennen lernen will, lese seine Rede (sie ist in den Evangelien abgedruckt) und versuche, darauf sein Leben zu bauen (Mt 7, 24).
Wer von Jesus begeistert ist, sucht Orte, Menschen und Wege, die ihn in dieser Begeisterung unterstützen. Die Apostelgeschichte ist unter anderem die Geschichte der Begeisterung von Jesus. Menschen machen sich auf die Reise, sie gründen Gemeinden, sie treiben eifrig Theologie. Der Gedanke, dass Jesus Gottes Liebe in die Welt trägt hat viele im wahrsten Sinne des Wortes bewegt, also mit Leben erfüllt.
Stefan Werner

Begeistert von der Beziehung zu Jesus - 2. Teil

Begeistert vor Jesus
Matth. 28, 9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfaßten seine Füße und fielen vor ihm nieder.
Ehrfürchtig werfen sich die Jünger vor Jesus nieder. Ihr Staunen ist in Verehrung übergegangen. Bei Ehrfurcht geht es um Hingabe, um Ehre und eine gesunde Furcht, die Gottes Grösse anerkennt und darum weiss, dass Gott mächtig ist. Weil sie sich von Gott angenommen fühlen, haben sie Jesus als ihren Herrn angenommen und bezeugen das. Wie werden sie erstaunt sein, wenn sie erkennen, dass er nicht nur ihr Herr ist, sondern auch Herr über Leben und Tod?
Jesus ist für die Jünger ein guter Freund geworden und darüber hinaus ihr Vorbild. Mehr noch haben sie erkannt, dass Jesus sie in alledem in die Nähe Gottes führt.
In der Bibel ist immer wieder beschrieben, welches Verhalten der Ehrfurcht am ehesten entspricht. Es ist der Lobpreis (Ps 22, 24-26). Und so kommt Begeisterung vor Jesus im Dank und im Loben zum Ausdruck.
Ehrfurcht hat weniger mit Unterwürfigkeit zu tun, als vielmehr mit Dankbarkeit (Jes 26,8). Vielmehr liegt in dieser Dankbarkeit die Kraft, sein Leben zu ordnen und sich neu auszurichten. Lukas 5, 19 Und weil sie wegen der Menge keinen Zugang fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hinunter mit dem Bett mitten unter sie vor Jesus.
Die Begeisterung vor Jesus kommt auch darin zum Ausdruck, dass Jesus nicht nur für den Dank zugänglich ist, sondern verspricht, dass auch unsere Bitten von ihm gehört werden. Es ist wichtig für unsere Lebensenergie, dass wir gerade auch das Schwierige und Unvollständige bei Gott ablegen können. Und so hat Begeisterung auch nicht mehr nur noch mit Hochgefühlen zu tun, sondern gerade die Tiefen unseres Lebens können wir begeistert - im Sinne von überzeugt und erwartungsvoll - vor Gott tragen. Eile, mir beizustehen, HERR, du meine Hilfe! (Psalm 38, 23).
Matth. 11, 28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Dass Jesus unsere Lebenskraft ist, hat damit zu tun, dass gerade das Leidvolle und das Schwere nicht ausgeblendet werden. Mit allem darf ich vor ihm sein, darf ich zu ihm kommen, darf es bei ihm aussprechen und ablegen. Vor Jesus können wir sein wie wir sind. Er kennt uns durch und durch - und will doch das Beste in uns wecken. Von diesem Besten sagt Jesus, dass es eine leichte Last ist, die wir tragen, im Vergleich mit dem, was wir sonst mit uns herum
schleppen.
Begeistert durch Jesus
Joh 14, 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Joh 20, 31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes,und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.
Das Johannesevangelium betont immer wieder, dass wir durch Jesus zu Gott unserem Vater kommen. Jesus wird so zum Weg zur Lebensquelle, zurück zu Gott. Der Weg heisst Jesus und im Vertrauen zu ihm (wir nennen es auch Glauben) sind wir Gott nahe. In diesem Vertrauen, in dieser Gottes Nähe liegt auch unsere Rettung, die Versöhnung mit Gott. Durch
Jesus ist auch Vergebung möglich, in ihm wird uns das Leben über den Tod hinaus geschenkt. Ja, letztlich sind wir beschenkt, empfangen wir Gottes Nähe ganz unverdient. Paulus redet von der Gnade, von Gottes Liebe, die sich freiwillig dem Menschen zuwendet (Röm 3, 24).
So haben wir durch Jesus Hoffnung. Hoffnung darauf, dass wir bei Gott ganz geborgen sind - im Leben, wie im Sterben (Röm 8, 24).
Markus 16, 17 Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: in meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden, 18 Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird’s besser mit ihnen werden.
Die Begeisterung durch Jesus befähigt uns zur Liebe. So beauftragt Jesus seine Jünger, sich auf den Weg zu machen und zu predigen und zu heilen. In dieser Befähigung zur Liebe steckt eine Bevollmächtigung. Die Zeichen des Reiches Gottes, in dem die Nähe Gottes spürbar ist, sind nicht aufzuhalten. Ganz normale Jünger Jesu werden bevollmächtigt, durch die Liebe Gottes Wunder zu vollbringen. Beauftragt, Gottes Liebe in dieser Welt zu leben, sind Jünger Jesu mutige Schritte gegangen. Sie haben Meere überquert, sind vor Königen und Kaisern gestanden und haben Verfolgung und Tod auf sich genommen. Aus Liebe zu dienen hat sie nicht nur gebraucht und ausgelaugt, sondern hat sie selbst immer wieder zur
Liebe selbst zurück geführt. Begeistert dienen ist kein Widerspruch. Weil dahinter eine Beauftragung, aber auch eine Bevollmächtigung steht. Gott rüstet seine Jüngerinnen und Jünger aus (Apg 14,3).
Begeistert mit Jesus
2. Kor 4, 14 Denn wir wissen, daß der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch. Mit Jesus auferweckt, auferstanden zu einem neuen Leben. Mit Jesus das Leben gestalten ist manchmal gar nicht so einfach. Wir fragen uns, ob Gott eine Berufung für uns hat. Eine besondere Lebensaufgabe zu meistern oder einfach an unserem Platz mit Gott zu leben (Apg 13,2). Was heisst es jesusmässig zu leben, den Alltag zu gestalten?
Manchmal findet diese Alltagsgestaltung im ganz Kleinen statt (Röm 12, 1). Im Gebet, wenn wir vorGott zur Ruhe kommen, Sorgen ablegen und dankbar sind. Oder wenn wir die Bibel lesen, um auf das Zeugnis von Gottes Liebe zu hören. Wenn wir unseren Tag mit Gott gestalten, dann können wir bald begeistert mit Jesus im Leben stehen. Und diese
Begeisterung hat nichts mit oberflächlicher Fröhlichkeit zu tun. Diese Begeisterung definiert sich auch nicht über Formen und Zeichen. Massgebend ist vielmehr die Tiefe der Beziehung, die möglich ist. Der Massstab der Begeisterung ist nicht in erster Linie unser fröhliches Gesicht, sondern unser Vertrauen in Jesus Christus. Es ist die Basis und die Zukunft unseres Lebens. Und wenn dabei die Freude über Gottes Liebe sich auch noch auf unserem Gesicht
spiegelt, dann umso besser (Apg 13, 52).
Be-geistert
Ein geistliches Leben fragt nach dem Heiligen Geist. Er ist die Kraft, die uns im Geiste Jesu leben hilft. In Jesus zu Vertrauen bedeutet mehr als nur an irgendwen zu glauben. Sondern dieses Vertrauen hat durchaus auch mit Gottes Wirken zu tun (Röm 8, 7ff).
Im Heiligen Geist spüren wir, dass unsere Liebe nicht einseitig ist. Dass wir Gott vertrauen können, auch wenn alles gegen ihn spricht. Dass wir beim Beten wirklich ruhig werden. Dass wir um Heilung bitten können und sie uns geschenkt wird. Dass wir Einsamkeit ertragen und dem Tod ins Gesicht schauen können. Das sind Zeichen von Gottes Gegenwart in dieser Welt, in unserem Leben. Wir können ihn nicht festhalten, aber wir können ihm vertrauen, etwas von ihm erwarten und ihn darum bitten, uns zu begeistern, so dass wir vor, mit und durch Jesus neue Lebenskraft finden. Dass wir erfüllt sind von Gottes
Liebe.
Stefan Werner

Zeit-Geist

Dass Geld ein geistliches Thema ist, daran haben wir uns gewöhnt. Sonntäglich legen wir etwas in den Opferstock und spenden verschiedenen Organisationen von unserem Einkommen oder Vermögen. Der Zehnte (der zehnte Teil der Einnahmen) ist ein fester Begriff, manche geben ihn, manche nicht.
Ganz ähnlich ist uns bewusst, dass unsere Lebenszeit ein geistliches Thema ist. Sonntäglich gehen wir (mehr oder weniger) regelmässig in den Gottesdienst. Viele sind bemüht ihren Tagesablauf auf Gott auszurichten, stille Zeit zu machen oder wenigstens an der einen oder anderen Stelle zu beten. Die meisten aber sind bemüht mit ihrem ganzen Leben, ihrem Beruf und ihrer Freizeit Gott zu dienen. Manche geben ihren Zehnten an Zeit ganz bewusst Gott, um mit anderen Christen Gemeinde zu sein und zu bauen.
Die Zeit unseres Alltags - wie wir sie einteilen, was wir mit ihr anfangen – ist in jedem Fall ein geistliches Thema. An der letzten Bezirksversammlung ist mir der Satz herausgerutscht: „Ich freue mich über jeden und jede, die/der kommt und sagt: Ich habe zwei Stunden pro Woche Zeit für die Gemeinde“. Ja, ich träume davon, dass Christinnen und Christen sich aufmachen und von Gottes Liebe getrieben etwas für Gottes Gemeinde und für seine Welt tun wollen. Ja, ich träume davon, dass Christinnen und Christen gemeinsam in dieser Welt zusammen stehen und diese Welt als Gemeinden mitgestalten. Und ich weiss, dass ich diesen Traum nicht alleine Träume. Viele geben ihre Zeit und investieren sie ganz bewusst in die Gemeindearbeit, ohne dass sie vorher lange dazu aufgefordert werden müssen und ohne dass sie deshalb Zeit „opfern“ müssen, sondern verschenken können…
Manchmal denke ich, dass wir in unserer Zeit so gefordert sind, viel an Kraft und Energie für Beruf und die gesellschaftlichen Forderungen geben müssen, dass wir die Verheissung, die auf dem geben dürfen liegt, nicht mehr wahrnehmen. So sagt Jesus in Lukas 6, den Versen 30 folgende:
30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31 Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
35 Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.Ist es Lohn genug Gottes Kinder zu sein? Was wollen wir mehr?
Unser Umgang mit der Zeit ist eine geistliche Herausforderung und bleibt unsere Lebensaufgabe. Ich wünsche uns allen, dass wir immer wieder einmal stehen bleiben und „unsere Zeit“ bedenken, dass wir sie immer wieder vor Gott betrachten und uns von ihm führen lassen.


Noah und Erntedank?

Aus einer Kurzpredigt
Wir haben uns beim Vorbereiten überlegt, können wir die Geschichte von Noah überhaupt nehmen. Nach all den Flutkatastrophen, die dieses Jahr die Welt und im besonderen auch die Schweiz erschüttert haben. Und wir haben gemerkt, dass das Versprechen Gottes an Noah nie mehr eine Sinnflut zu schicken sehr relativ ist. Denn haben nicht gerade dieses Jahr viele Menschen eine Flut erlebt? Dabei ihr Leben, ihre Ernte oder einfach auch ihren Mut verloren? In den Medien konnte man aber auch etwas anderes hören: Die Menschen haben auch etwas gefunden, sie haben zueinander gefunden. Man hat sich angefangen zu helfen, hat sich gegenseitig getröstet und so auch etwas mit der Situation Frieden schliessen können. Ich glaube, genau darum geht es im Schluss der Noah-Geschichte. Gott und der Mensch schliessen Frieden. Und Gott der dieses Friedensangebot macht, setzt dafür ein Zeichen an den Himmel: den Regenbogen. Immer wenn der Mensch diesen Regenbogen sieht, soll er daran denken, dass mit Gottes Hilfe immer wieder neu ein Neuanfang möglich sein soll. Es wird keine Flut mehr kommen, nach der es nicht ein Neuanfang gibt. Und so pflanzt Noah einen Weinberg. Im Frieden mit Gott hat er die Kraft bekommen, neu anzufangen, sich aufzuraffen und Neues zu wagen. Wir wissen, dass Noah auch von da an nicht nur ein einfaches Leben hatte, der Weinberg hatte auf den Alkoholgehalt in seinem Blut einen schlechten Einfluss. Trotzdem, aber steht Gottes Zusage auch heute im Raum: Im Frieden mit Gott liegt die Kraft für einen Neuanfang! Wie der Bauer auch nach einer schlechten Ernte wieder aussäen wird, so wird Gott mit uns sein, nicht nur in den Zeiten, in denen es uns schlecht geht, sondern auch in denen, in denen es darum geht, neu anzufangen, mutige Schritte zu gehen. Das wünsche ich uns und vor allem den Menschen, die von der Flut bedroht waren. Amen

Jahreslosung 2006

Josua 1
1 Nachdem Mose, der Knecht des HERRN, gestorben war, sprach der HERR zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses
Diener:
2 Mein Knecht Mose ist gestorben; so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich
ihnen, den Israeliten, gegeben habe.
3 Jede Stätte, auf die eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich Mose zugesagt habe.
4 Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang, das
ganze Land der Hetiter, soll euer Gebiet sein.
5 Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht
verlassen noch von dir weichen.
6 Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren
Vätern geschworen habe.

Ein paar stichwortartige Gedanken zur Jahreslosung 2006
1. Josua der Nachfolger und der Anführer
- Die Herausforderung 1: Moses Nachfolger
- Die Herausforderung 2: Das Volk über den Jordan führen
- Auch wir stehe vor Herausforderungen: Alltag, Schule, Beruf, Beziehungen

2. Josua der Fundamentale und der Wegbereiter
- Die Aufforderung 1: Schau auf das Gute (auch das deines Vorgängers)
- Die Aufforderung 2: Lies die Bibel und Höre auf Gottes Weisung
- Auch wir sind aufgefordert im neuen Jahr die Bibel zu lesen und auf Gottes Weisung für unser Leben zu horchen (schweigen, Stille)

3. Josua der Mutige und der Behütete
- Der Mutige 1: Braucht Gaben, Menschen und eben Mut etwas Besonderes zu sein.
- Der Mutige 2: Muss es nicht alleine tun. Das Wichtigste an der ganzen Geschichte. Auch wenn du mutig bist, ist Gott bei dir. Er lässt dich nicht fallen.
- Auch wir dürfen mutige Christen sein und dabei wissen, dass Gottes Verheissung auch uns gilt. Gott will uns bei neuen Schritten, wenn wir auf ihn hören nicht im Stich lassen, nein, er belohnt den Mutigen.
- Ich wünsche Euch ein mutiges Jahr, in dem uns Herausforderungen näher zu Gott bringen und in dem wir seine Nähe spüren und ermutigt werden, ihm zu vertrauen.

Jakobs Kampf: gemein-einsam-gemeinsam

Dieser Text ist entsanden auf Grund eines 10 Jahre Jubiläums
Jakob hat sich durch sein Leben gewurstelt. Immer wieder ist er vor grossen Veränderungen gestanden und hat die Veränderungen schlau, phantasievoll und mit Durchhaltevermögen angepackt. Aber etwas hat ihn begleitet: Das schlechte Gewissen. Die Angst davor zu kurz zu kommen, nicht an erster Stelle zu stehen hat dazu geführt, dass Jakob mit einem grossen Misstrauen sein Leben leben musste. Es könnte sein, dass die anderen Menschen so gemein sind mit mir, wie ich es mit meinem Bruder war. Dieses Misstrauen stürzt Jakob in seine grosse Einsamkeit. Trotz scheinbar Familienleben, trotz Reichtum bleibt Jakob alleine. Die Schuld seinem Bruder gegenüber macht ihn einsam.
10 Jahre gemeinsam ein Bezirk: Nach 10 Jahren denkt man nicht so sehr an die Anfänge, wo man auch nicht so recht wusste, wird das für uns eine gute Geschichte oder werden wir übervorteilt, kommen wir überhaupt zu unserem Recht? Nach 10 Jahren vergisst man zum Glück das Misstrauen, das eine solche Veränderung begleitet. Man vergisst, dass man zusammen Weg gehen und sich auf diesem Weg zu erst einmal einsam fühlt, verlassen, ausgeliefert.
Heute nach 10 Jahren stehen wir an einem anderen Ort. Beziehungen leben, Gruppen haben sich durchmischt, gemeinsam wird der Gemeindealltag in Ressorts, bei der Verkündigung und bei Anlässen und in der Organisation gestaltet. Natürlich gibt es wie überall immer wieder diesem Funken Misstrauen. Aber er ist nicht das Bestimmende unseres Zusammenlebens. Vor zehn Jahren hat man diese neue Zusammenarbeit ganz bewusst unter den Segen Gottes gestellt. Vielleicht ist das der Schlüssel für eine gute Vergangenheit und die Grundlage für eine gute Zukunft.
Der Segen Gottes – ja er ist Knackpunkt in unserem Leben. Er ist es auch bei Jakob.
Kurz bevor Jakob mit grosser Angst mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, nämlich mit seinem Bruder, holt ihn seine ganze Angst und seine Einsamkeit wieder ein. Er geht alleine an den Fluss spazieren. Dort begegnet ihm ein Mann und wir wissen nicht genau warum, aber die beiden Männer beginnen miteinander zu kämpfen. Die ganze Verzweiflung und Angst, die Wut und Verlassenheit streitet in Jakob mit diesem Mann. Jakob kämpft um sein Leben, er kämpft um ein Leben ohne Angst, um ein Leben, das vergeben kann und Versöhnung kennt, er kämpft darum, dass Gemeinschaft wieder möglich wird. Und Jakob ist stark, sein Lebenskampf gibt ihm ungeheure Kräfte. Der Mann schlägt ihn auf die Hüfte, erst dann gibt Jakob auf. Aber statt sich zu brüsten erkennt er: „ich brauche Hilfe, ich brauche Versöhnung“. So kniet er hin und bittet um den Segen. „Gott, ich brauche Dich. Ich brauche das gute Wort Deiner Nähe. Ich brauche den Mut meiner Angst ins Gesicht zu schauen, ich brauche die Gemeinschaft mit Dir, um meine Einsamkeit zu überwinden.“ Im Segen fühlt sich Jakob Gott nahe und weiss sich getragen. Der Segen, die Nähe Gottes wird zum Schlüsselpunkt seines Lebens. Von hier aus kann sein Leben weitergehen.
Die Nähe Gottes ist auch der Schlüsselpunkt für uns. Und wo sie uns verloren geht, da wollen wir darum ringen, da wollen unseren Ängsten ins Gesicht schauen und die Gemeinschaft, die Gott uns in Jesus Christus anbietet, annehmen und Gemeinschaft trotz unterschiedlicher Meinungen, trotz unvermeidbarer Schuld weitere 10 Jahren miteinander wagen. „Gott wir brauchen dich. Wir brauchen das gute Wort deiner Nähe“. Mit Gott eröffnet sich Zukunft. Von hier aus kann das Leben weitergehen.

Was haben Hundehalter und Christen gemeinsam?

Als Hundehalter sinniert man auf den langen Spaziergängen über das Leben. So auch ich. Dabei ist mir aufgefallen, dass es durchaus Parallelen zwischen Hundehalter und Christen gibt.
Da wäre als Erstes die Leine. Da gibt es Menschen, die legen Wert darauf, dass sie in ihrem geistlichen Leben eine lange Leine zu Gott haben. Sie wissen sich geborgen und haben Vertrauen, dass da - am anderen Ende der Leine – einer ist. Andere Menschen schwören auf eine kurze Leine. Sie möchten mit dem Einen auf der anderen Seite immer in spürbarem Kontakt sein. Sie wollen geführt werden und Erfahrungen machen. Mein geistliches Leben sieht (leider?) eher so aus wie eine Rollleine. Manchmal ist sie etwas mehr ausgerollt und die Leine damit lang. Manchmal ist sie weniger ausgerollt und ich fühle mich geführt und gebraucht. Das Wichtigste beim Leinenspaziergang aber ist eigentlich, dass ich die Leine auch dann nicht loslasse, wenn unser Hund Fanco plötzlich eine Katze sieht und jagen will. Oder dass ich vor ihm sehe, dass eine Katze unseren Weg kreuzen wird, dann kann ich ihn anleinen. Wie ist das also wenn das Leben mir plötzlich mit Krankheit und Tod einen Schrecken einjagt? Lasse ich dann los oder gibt mir die „Leine“ dann Sicherheit?
Das Zweite, das mir auffällt, ist die Auswahl der Hundrasse. Da hat doch manch geistlicher „Hundehalter“ an seiner Leine einen harmlosen Schosshund, mit dem man kuscheln kann. Andere halten sich einen kleinen Kläffer, der sie in ihrer eigenen Angst zu bestätigen scheint. Wieder andere haben einen grossen aber gemütlichen Hund, der sie trösten und beruhigen kann. Und die letzte Variante will einen grossen aber gefährlichen Hund, der unantastbar und bedrohend sein kann. Was für einen Hund hätten sie denn gerne? Oder weniger bildhaft: Was für einen Gott hätten sie denn gerne?
Drittens gibt es in der Hundeerziehung eine Credo. Es heisst: Gute Bindung = sicheres Wesen. Mit Bindung ist nun nicht die Leine gemeint, sondern die Beziehung die ich zum Hund habe. Diese Beziehung ist geprägt von Disziplin und Konsequenz, aber auch von Spielfreude und Unternehmungslust. Ist die Beziehung zum Hund also gut, dann hat der Hund auch ein sicheres Wesen. Und damit ist vor allem sein Sozialverhalten gemeint – sein Umgang mit Menschen und Tieren. Als geistliche Schlussfolgerung könnte das heissen: Auf unsere Beziehung zu Gott kommt es an, wie unser Wesen ist. Mit anderen Worten: Letztlich ist alles eine Frage der Liebe. Diese Liebe klärt dann auch gelegentlich unsere Leinenwahl und bestimmt unser Gottesbild, also das andere Ende unserer Leine… Diese Liebe macht auch mich sozialverträglich (mit den rassetypischen Störungen, wie bei unserem Hund auch…).
Am schönsten ist es übrigens, wenn der Hund – egal welcher Rasse und ob mit oder ohne Leine – uns freudig begrüsst, als ob wir keine Fehler in seiner Erziehung gemacht hätten. Fast so wie ein Vater, der seinen verlorenen Sohn mit offenen Armen empfängt…